Monatsarchiv: August 2010

“Frieda”…..ist über die Regenbogenbrücke gegangen

Wir mögen es kaum glauben… Nach nur 13 Wochen bei uns ist auch Frieda, unsere Schäferhund-Oma, über die Regenbogenbrücke gegangen.

Am Freitag, den 30.04.2010, haben wir Frieda ( da hieß sie noch Sina ) aus dem Tierheim zu uns geholt. Sie war eine Schäferhündin von 11,5 Jahren und kam mit extremem Übergewicht dorthin. Durch eine radikale Diät wurde ihr Gewicht reduziert, sodass sie vermittelt werden konnte. Daniela und ich hatten uns spontan in diesen wirklich riesigen Hund verguckt. Wir bekamen die Info, dass sie durchgecheckt wurde und körperlich OK sei, aber eben alt. Unsere vornehmste Aufgabe sollte nach der Diät der vorsichtige Muskelaufbau sein.

In der Wohnung fühlte sie sich sichtlich wohl. Anfangs fand sie die Couch klasse, auf der wir extra eine Decke ausgelegt hatten. Allerdings war Frieda so groß, dass Daniela und ich so manches Mal enger zusammengerückt sind, damit Madame ausreichend Platz hatte, um sich zu strecken. Was man nicht alles tut für den Hund…
Ins Arbeitszimmer durfte sie nicht wegen der Meerschweinchen. Wir haben ihr bei geöffneter Tür den Weg mit einem Korb versperrt. Dann stand sie vor der geöffneten Tür und jaulte leise, bis sie gestreichelt wurde. Dann war auch gut und sie legte sich hin, um zu dösen.

Frieda hatte das Talent, immer im Weg herumzuliegen. Und wenn Daniela nur kurz aus ihrem Sichtfeld verschwand, ging sie hinterher oder legte sich so in den Weg, dass sie Daniela sehen konnte. Einer ihrer Lieblingsplätze war genau vor der Wohnungstür. Dort lag sie lang gestreckt wie ein Zuglufttier, dass man vor die Türritzen legen kann, um die Zugluft zu verhindern. Wenn wir nach Hause kamen und sie von innen vor der Tür lag, konnte es auch passieren, dass sie nicht aufstand und wir sie mit der Tür über die Fliesen schieben mussten, um überhaupt in die Wohnung zu kommen. Sowas…

Wir dachten zwischendurch auch, dass Frieda sehr schwer hört. Den Gegenbeweis lieferte sie aber umgehend, als wir etwas Trockenfutter in die Futterschüssel gaben und sie ruckizucki in der Küche stand. Das Gehör funktionierte also.
Daniela brachte es auf den Punkt, als sie feststellte, dass Frieda ziemlich dickköpfig und irgendwie schrullig sei. Wenn wir die große Gassi-Runde am Rapsfeld gingen und sie von der Leine losmachten, lief sie ganz gemütlich ihren Weg. Ob wir da auch lang wollten, war ihr meistens egal. Auch die kleine Runde um den Block wurde schon mal sehr kurz, wenn sie keine Lust hatte und nur direkt vor der Tür auf den Rasen pinkelte. Da war sie manchmal wirklich eigen aber immer niedlich und liebenswert dabei. Man konnte ihr einfach nichts krumm nehmen und richtete sich dann eben nach ihr.

Morgens kam sie ins Schlafzimmer direkt ans Bett und weckte uns, wenn sie raus musste.
Die Wohnung liegt im ersten OG und mit der Treppe hatte sie so ihre Probleme. Wenn sie aufgeregt war oder intensiv schnüffelte, fing sie an zu grunzen. Und nachdem sie mehrmals oben am Treppenabsatz grunzte und wir sie am Halsband herunterführen mussten, kaufte Daniela ihr eine Art Tragegeschirr, dass das Treppensteigen erleichtern soll. Damit hatte sie nun einen Griff auf dem Rücken, an dem wir ihr aktiv Hilfestellung für die Treppe geben konnten. Die Treppe hoch kam sie zwar etwas watschelig und wackelig, aber ohne große Hilfe. Offensichtlich hat sie früher im EG gewohnt.

Wenn Frieda schlief, schnarchte sie , wie eine ganze Kompanie. Und als die heißen Wochen kamen, hechelte sie immer häufiger. Daniela brachte sie zum Hundefrisör, denn nur mit bürsten kamen wir nicht gegen das dichte Fell an. Als sie wiederkam, war aus dem blond-braunen Fell ein kurzes und sympathisches silber-schwarzes Fell geworden – fast wie bei Herrchen. Damit wurde die Hitze wesentlich erträglicher.

Auch ihre Bewegungen wurden immer besser. Wenn sie sich freute, kam sie von vorne durch die Beine gelaufen und stupste mit dem Kopf rechts und links gegen die Knie. Dabei wollte sie gestreichelt werden. Andererseits ging sie auch weg, wenn sie genug vom geknuddel hatte.

In Kellenhusen war sie auch richtig gerne. Da lag sie stundenlang auf dem Rasen und genoss den Luxus, nur vier Stufen bis zum Garten zu haben. Dank der besseren Mobilität konnte sogar die Katze über den Rasen gescheucht werden. Und auch die beiden Kaninchen und das Meerschweinchen waren dermaßen interessant, dass sie munter und fit um den Auslauf herumlief. Nach wenigen Runden war sie allerdings erschöpft und legte sich wieder auf den Rasen. Als bei der Hitze der Gartenschlauch für eine Hundedusche genommen wurde, schnappte sie mit Timmy um die Wette nach dem Wasserstrahl. Offenbar kannte sie das, denn sie genoss es. Ebenfalls in Kellenhusen erinnerte sie ein älterer Gast offenbar an ihr Herrchen, denn sie lief auch ihm durch den Beinen hindurch und schupste ihn fast um, da er mit einem Gehstock lief. Er nahm es mit Humor.

Überhaupt war Frieda der harmloseste Hund, den man sich vorstellen kann. Als wir während der Fußball-WM bei Freunden im Garten zum Grillen und Nationalelf-gucken waren, legte sie sich auf die Seite und ließ sich von den beiden kleinen Jungs bereitwillig streicheln. Die hatten eigentlich ziemlichen Respekt vor Hunden, bauten diesen bei Frieda aber sofort ab. Einfach toll.

Da das Hecheln nicht weniger wurde, war Daniela mit ihr beim Tierarzt. Dort stellte man Herzprobleme fest und sie bekam Tabletten zum Entwässern und wir die Order, sie zu schonen. Nachts schlief sie in letzter Zeit auf dem Balkon. Wir ließen die Balkontür auf und stellten ihr Wasser hin und sie genoss es dann, draußen zu liegen. Das mit dem Wasser war auch so eine Sache: Wenn sie trank, gingen 2/3 daneben. Anfangs wurde regelmäßig die Küche geflutet und die Wasserschüssel war ständig leer. Wir legten dann ein großes Handtuch darunter und tauschten die flache Schüssel gegen einen kleinen Eimer aus. Ab da blieb das Wasser im Eimer und die Pfütze in der Küche wurde eingedämmt. Manchmal tauchte sie auch mit dem Kopf ganz in den Eimer. Wir wussten gar nicht, dass Hunde so etwas machen und dachten zuerst, dass dort etwas auf dem Grund liegt. Aber da war nur ihr Wasser drin.

Und weil das Hecheln immer noch nicht weniger wurde, ging Daniela Anfang letzter Woche mit ihr zum Tierarzt, um das Blutbild prüfen zu lassen. Die Ergebnisse lagen Donnerstag vor und einer der Werte war exorbitant hoch. Dies konnte von einer abklingenden Viruserkrankung oder aber einem Lebertumor stammen. Rumms, das saß. Wir sollten noch einige Tage abwarten, ob der Wert sinkt. Am Freitag fand der Mitternachtslauf statt und wir hatten einigen Besuch. Frieda war wie immer und alle fanden sie einfach nur zum Knuddeln. Vielleicht ist es ja doch “nur ein Virus“…

Vorgestern bekam ich mittags eine E-Mail ins Büro, ich solle dringend anrufen. Da war mir klar, dass etwas mit dem Hund sein musste. Daniela sagte, dass Frieda sich auf den Rasen gelegt habe und einfach nicht mehr weiter wollte. Sie lag auf dem Bauch und guckte sie nur an, als wollte sie sagen: ”Ich kann nicht mehr…”. Als Daniela sich dann weinend zu ihr kniete, kam ein Nachbar, der einen Pudel hat und fragte, was los sei. Er blieb dann bei Frieda, während Daniela mich und den Tierarzt anrief. Sie sagte schon am Telefon, dass sie befürchtet, ohne Hund wieder zurück zu kommen. Ihre Freundin Heike verzichtete auf den geplanten Familienausflug zum Wasserski, kam sofort vorbei und fuhr sie zum Tierarzt. Als ich aus Kiel in Heiligenhafen ankam, waren sie gerade zurück – allein.

Der Tierarzt hatte eine 5fach vergrößerte Leber festgestellt, die auf die übrigen Organe drückte und zu einer Übersäuerung des Körpers führt. Das bedeutete eine Quälerei, die sie nicht verdient hatte und die nicht sein sollte. Frieda war die letzte Patientin in der Praxis und sollte nicht auf dem Metallisch im Behandlungszimmer eingeschläfert werden. Sie suchte sich eine Ecke im Wartezimmer und Daniela hielt sie im Arm, als sie erlöst wurde.

Wir gingen am Nachmittag spazieren und tranken abends auf dem Balkon ein Glas Rotwein auf Frieda`s Wohl. Tröstend ist, dass wir wissen, dass sie bei uns eine wirklich schöne Zeit hatte. Und dadurch, dass Daniela gerade Sommerferien hat, war sie in den letzten Wochen auch keinen Tag allein.

Wir haben uns allerdings gefragt, womit wir das verdient haben. Eine Antwort darauf gibt es nicht. Auch fragen wir uns, ob der Check im Tierheim überhaupt gemacht oder uns diese Information verschwiegen wurde. Wir hätten sie ja auch mit dem Wissen um eine Krankheit zu uns genommen und dann die Nahrung vielleicht vorher schon mit Medikamenten oder homöopathischen Mitteln ergänzt. Man kann auch nicht sagen, dass wir uns “hintergangen” fühlen, denn Frieda war eine echte Bereicherung.

Wie schon Elsi, wird auch Frieda im Rosengarten bestattet.

Einige Fotos findet ihr im Album von Daniela.

Wir durften sie vom 30.04. – 03.08.2010 bei uns haben und darüber sind wir sehr froh.

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