Monatsarchiv: Februar 2010

Elsi

Am 20.12.2009 holte Daniela „Sindy„, einen 14 Jahre alten Schäferhund-Dobermann-Mix, der nach Herrchens Schlaganfall im Tierheim gelandet und schwer krebskrank war, zu uns. Wir sind beide mit Hunden im Elternhaus aufgewachsen, hatten aber nie selbst einen und die Frage, ob wir dieses Tier zu uns nehmen, stellte sich nicht ernsthaft. Sie brauchte nur wenige Augenblicke und wir hatten sie sofort in unser Herz geschlossen.

Die Feiertage standen vor der Tür und sie verstand sich mit allen anderen Tieren, zu denen sie Kontakt hatte. Es war einfach schön. Plötzlich hatte ich zwei „Süße“ zu Hause.

Auch ein erster Antrittsbesuch bei unserem Tierarzt wurde noch vor Weihnachten absolviert und er forderte die Röntgenbilder des bisherigen Tierarztes an, um sich einen Überblick zu verschaffen. Neben schwerer Arthrose und einem Gesäugetumor war auch die Lunge bereits vom Krebs befallen. Eine Operation war zu gefährlich und kam deshalb nicht in Frage. Und solange sie nicht den Bauch für die Atmung zur Hilfe zu nehmen brauchte, ist von der Lunge her alles OK. Insgesamt machte sie aber einen noch recht munteren Eindruck.

Den Namen fand Daniela nicht so passend für eine Hundeoma und rief sie ab da einfach „Elsi„.
Wir freuten uns auf die gemeinsame Zeit und hofften, dass die Prognose aus dem Tierheim von „wenigen Wochen“ sich nicht erfüllen würde. Ich persönlich rechnete mit einem Sommer mit Elsi.

Die Vermieter machten eine Ausnahme und wir durften sie offiziell in der Wohnung halten, obwohl das eigentlich nicht gestattet ist.
Wir kauften ihr ein Napf, ein neues rotes Halsband mit passender Leine, eine große Decke und einen Hundemantel, der aufgrund der Überlänge allerdings erst bestellt werden musste.
Ins Auto bauten wir eine kleine Stufe, damit ihr das Ein- und Aussteigen etwas leichter fiel, denn dabei sah man ihr das Alter an.

Beschreibend war eine Szene über die Feiertage, als Daniela traurig am Schreibtisch saß und Elsi ankam, ihren Kopf auf Danielas Bein legte und sie tröstend ansah, als wollte sie fragen: „Was ist los?“ Da wussten wir, dass sie einfach zu uns passt.

Nachdem Weihnachten und Silvester vorbei war, hatte sich unser Tagesablauf im Alltag wie von selbst innerhalb weniger Tage auf den Hund umgestellt und sie kam auch schon mal freudig zur Tür, wenn Daniela von der Arbeit nach Hause kam.

Es machte uns nichts aus, eine halbe Stunde früher aufzustehen, um mit dem Hund zu gehen.
Und war der Hund anfangs noch etwas unsicher in der neuen Umgebung, hatte sie sich bereits nach kürzester Zeit eingewöhnt. Elsi war der absolut passende Hund für uns, denn sie interessierte sich nicht für die Meerschweinchen und schlief, wenn wir sie alleine in der Wohnung ließen. Sie machte keinen Blödsinn und legte sich auch im Restaurant wie selbstverständlich ruhig unter den Tisch – sie war einfach lieb.

Nachdem sie mich bei den ersten zwei, drei Streicheleinheiten noch anknurrte, bekam ich da auch einmal ihr „Bellen“ zu hören. Das war durch die eingeschränkte Lungenleistung aber eher ein heiseres „Hauh – Hauh – Hauh“ als ein der Größe des Tieres angemessenes Bellen. Es wäre ja schon wieder fast niedlich gewesen, wenn wir nicht um die Ursachen wüssten. Ab da war aber auch ich ein gern gesehener Streichelpartner. Und man glaubt gar nicht, wie entspannend es sein kann, einen lang ausgestreckten und ebenfalls entspannten Hund zu bürsten.

Man lernt auch sehr schnell neue Leute und seine Nachbarschaft kennen, wenn man mit einem Hund unterwegs ist. Und Elsi blühte richtig auf, wenn es bei Wind und -10 Grad auf`s freie Feld am Ortsrand ging.

Es ist einfach unglaublich, wie schnell einem ein neuer Hund an`s Herz wächst und man sich aneinander gewöhnt. Elsi machte es uns aber auch sehr einfach, sie zu lieben. Es waren insgesamt nur knappe 7 Wochen, die wir sie hatten, doch es kam uns wesentlich länger vor.

Ab und an jaulte sie, wenn man aus Versehen eine der schlimmen Stellen mit Arthrose berührte. Oh Mann, tat uns das dann leid. Und an manchem Morgen brauchte sie einfach etwas länger, um in die Gänge zu kommen. Naja, sie war eben nicht mehr die Jüngste.

Es hatte schon etwas Erhabenens, wenn sie uns irgendwie verwundert anschaute, als ob sie sagen wollte „Genau, bei dem Wetter wollt Ihr raus…“ Sobald wir aber das Halsband zeigten, war sie von der Idee, Gassi zu gehen, begeistert. Nach anfänglichem Widerstand klappte auch das Anlegen des Mantels schnell und unkompliziert. Und es war einfach nur lustig, wenn sie sich auf der weichen Couch wackelig umdrehte und dann mit einem Seufzer ihren Kopf auf`s Polster fallen ließ. Auch fehlten ihr die oberen Schneidezähne, sodass sie beim Fressen das Futter mit der Zunge regelrecht „hochschleudern“ musste um es mit der Schnauze greifen zu können – das Alter eben.

Neben dem Gassigehen und dem Erschnuppern von Neuigkeiten im Schnee, war ihr Hobby das Ballspielen. Auch wenn sie durch die Arthrose eigentlich nicht richtig schnell laufen konnte, wollte sie hinter jedem Ball hinterher jagen. Als wir einmal mit ihr am Strand von Kellenhusen spazieren gingen, setzte sie sich plötzlich hin und begann mit ihrem „Hauh – Hauh – Hauh“. Wir brauchten eine Weile, bis wir den Grund erkannten: Im Sand spielten zwei kleine Jungs mit einem Ball und Elsi wollte gerne von der Leine und mitspielen.

Vor einer Woche mussten wir dann mal wieder zum Tierarzt, weil Elsi hustete und mit dem Bauch atmete. Oh nein, bitte noch nicht… Auf der Hinfahrt hatten wir den Vorsatz, sie auf jeden Fall wieder mit nach Hause zu nehmen. So schnell sollte es einfach nicht zu Ende sein. Der Tierarzt horchte sie ab und stellte fest, dass eine Lungenseite nicht richtig arbeitete. Dazu leicht erhöhte Temperatur – das könnte auch „nur“ eine Erkältung sein. Schei…-Winter. Wir bekamen einige Medikamente mit und sollten die nächsten Tage abwarten. Nach zwei Tagen, in denen die Tabletten in leckerem Leberwurstbrot versteckt wurden, ging es ihr tatsächlich wieder besser und wir trafen alle drei die „Abmachung“, wenigstens im Frühling noch zusammen nach Husum zu fahren und die Krokusblüte zu genießen. Daniela und ich können sie angucken und Elsi kann sie zusätzlich erschnüffeln.

Eines der Medikamente sollte den Schleim in der Lunge lösen und dabei helfen, sie wieder frei zu bekommen. Deshalb dachten wir auch zuerst an nichts Böses, als sie anfing, etwas Schleim zu husten.

Elsi schlief dann sehr unruhig, schnüffelte nicht mehr richtig und wirkte irgendwie orientierungslos. Klar, wenn die Nase dicht ist. Außerdem wollte sie einfach nichts fressen. Alle Tricks, die Daniela ausprobierte, halfen nichts. Also fuhren wir vorgestern Abend wieder zu Georg, unserem Tierarzt. Wir rechneten mit einer Verschlimmerung der Erkältung. Er sagte aber etwas besorgt, dass sie gar nicht aussieht, als ob das noch die Erkältung wäre. Er hörte sie ab und maß Fieber – sie hatte keines – und machte zur Sicherheit noch eine Röntgenaufnahme. Das Ergebnis war niederschmetternd: Sie hatte ein Lungenemphysem und von der Lunge selbst war vor lauter Krebszellen kaum noch etwas zu sehen.

Laut Georg befand sie sich bereits im Endstadium und er würde sie uns nur sehr ungern wieder mitgeben, denn wie beim Menschen auch, führt Atemnot zu Panik und schließlich zur Erstickung. Deshalb konnte sie schon in der Nacht zuvor nicht schlafen. Uns wurde schlecht, als er das sagte. Bei unserem ersten Besuch hatten wir ihn, weil wir ihm vertrauen, ausdrücklich um Offenheit gebeten, um ihr unnötige Leiden zu ersparen. Dass es dann aber doch so schnell ging, hat uns echt tief betroffen.

Wir gingen noch einmal mit ihr um den Block und verabschiedeten uns dabei schon langsam von ihr. Dann ging`s zurück in die Praxis.

Sie guckte uns beide an – das ging mir durch und durch…
Ich hob sie auf den Behandlungstisch und Daniela und ich streichelten sie, als Georg die Injektion setzte und sie erlöste. Es ging alles sehr schnell. Sie sackte zusammen und schlief innerhalb von Sekunden ein. Daniela legte Elsi`s Köpfchen auf den Tisch. Das war`s. Tschüss – mach`s gut. Auf dass Du wieder richtig bellen und den ganzen Tag Bällchen spielen kannst. Jeder, der schon einmal ein Tier aufgeben musste, wird wissen, was ich meine. Wir gingen dann nach draußen und weinten. Das war alles sehr sehr traurig.

Trotz der Mühen und Sorgen war es einfach eine schöne Zeit, die wir mit ihr hatten und die wir nicht missen möchten.
Daniela hat in Sachen Elsi alles richtig gemacht und ihr die letzten Wochen perfekt verschönert. Auch ich fand es toll mit ihr. Danke.

Ihr Besuch bei uns dauerte leider nur vom 20.12.2009 bis zum 08.02.2010. Aber wir werden sie weiter im Herzen tragen und in schöner Erinnerung behalten.

Und ich glaube, nein, ich bin mir sicher, dass auch Elsi sich bei uns sehr wohl gefühlt hat.

Ein besonderer Dank gilt Georg und seinem Team von der Tierarztpraxis, bei denen wir uns sehr gut aufgehoben fühlten und die alles Mögliche getan, haben uns zu helfen.

Die passende Musik zu den Bildern bekommt Ihr hier.

Einige Fotos findet Ihr hier und im facebook-Album von Daniela.

Advertisements