„Lehrerklau“ geht weiter

Die Kultusministerkonferenz konnte sich in der vergangenen Woche nicht auf ein generelles Verbot der Lehrerabwerbung einigen. Vielmehr will man „fair“ miteinander umgehen. Naja, wer`s glaubt…

Tatsache ist, dass sich Bundesländer gegenseitig Lehrer abwerben. Angelegt ist das natürlich nur auf suchende Lehrer und Referendare, gemacht wird es aber auch bei fest angestellten. Da sind die ärmeren Bundesländer dann eher der Baum als der Hund.

Seit der Föderalismusreform 2006 liegt die alleinige Kompetenz für Bildung bei den Ländern. Dies schließt die Festlegung der Gehälter ein. Und dass daraus ein Wettbewerb untereinander entsteht, dürfte niemanden überraschen. Vielmehr verwundert der Aufschrei der Politiker. Die fordern seit einiger Zeit Wettbewerb der Schulen untereinander und gehen nicht bei den Lehrerstellen mit gutem Beispiel voran. Stattdessen fällt ihnen nichts besseres ein, als herumzuheulen. Wenn ich mein Geld lieber in marode Banken stecke, bei deren Aufsicht ich vorher bereits versagt habe, ist eben kein Geld mehr für die Bildung da.

Einige Länder werben mit höheren Einstiegsgehältern, einer überdurchschnittlichen Besoldung von Haupt- und Realschullehrern sowie Vollzeit- statt Teilzeitstellen. Auch Begrüßungsgeschenke wie Laptops und eine Verbeamtung bis ins hohe Lehreralter sind attraktiv. Angeblich gibt es in einigen Gegenden sogar Bauland günstiger, weil ein Lehrer, der ein Haus gebaut hat, nicht so schnell wieder wegzieht.

Das wirft die Frage auf, warum die Lehrer überhaupt gehen. Wären sie zufrieden mit der Ausstattung der Schule, den Arbeitsauslastungen und dem Rückhalt durch die Ministerien, würden einige Euro mehr sicher nicht reichen, das bisherige Leben aufzugeben.

Gesucht werden junge Lehrer, die auch die neuen Medien beherrschen. Und wenn sie dann an die Schule kommen, ist selbst der alte Projektor kaputt. Außerdem gibt es zunächst befristete Zeitverträge, die die Sommerferien nicht abdecken. Da müssen sie dann stempeln gehen, haben andererseits aber auch keine ( theoretische ) Anwesenheitspflicht in den Ferien.

Nach dem Projekt EVA ( darüber wurde hier schon geschrieben ) bietet sich doch eine Kürzung der schulfreien Zeit an. Dann fällt auch weniger Unterricht aus.

Über Lehrermangel wird schon lange gejammert. Laut Statistik sind genügend Kollegen vor Ort, aber der Unterricht fällt trotzdem ständig aus. Wie geht das ?

Was den Banken die Bilanzen, sind den Ämtern die Statistiken. Da stehen dann z.B. auch Langzeitkranke drin und siehe da, nach der Stellenstatistik besteht gar kein Bedarf. Es sind ausreichend Lehrkräfte vorhanden. Dann macht offensichtlich die Schule vor Ort etwas falsch.

Die meisten Lehrer sind motiviert und machen ihren Job gerne. Die Knüppel, die ihnen die eigenen Ministerien mit ihren Reformen zwischen die Beine werfen, wiegen tatsächlich wesentlich schwerer als freche Schüler oder altkluge Eltern – die gab es schon immer.

Das legt den Schluss nahe, dass die Lehrer letzten Endes wegen der Schulpolitik das Bundesland wechseln.

Nun sollen es Quereinsteiger richten. Aber welcher Ingenieur, Meister oder Fachwirt lässt sich lieber von Neuntklässlern nerven, anstatt in seinem Büro oder seiner Werkstatt in Ruhe seiner Arbeit nachzugehen. Möglichkeiten der wirksamen Sanktionierung hat er kaum. Da geht es ihm dann wahrscheinlich wie so manchem Universitätsabsolventen, der mit den erlernten Kennlern-Spielchen, die in den 70ern auf der Grundschule funktionierten, in der Realität kläglich scheitert und sich mehr auf die Ferien freut als seine Schüler.

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